Die Mannheimer Manieren

»Johann Stamitz ist der so lange gesuchte Vorgänger Haydns!« (Hugo Riemann)

Den Begriff der „Mannheimer Manieren“ kreierte Anfang des 20. Jahrhunderts der große Musikwissenschaftler Hugo Riemann, nachdem er eine Vielzahl von Partituren von Sinfonien Johann Stamitz‘ – dem Vater der Mannheimer Schule – und seinen Komponistenkollegen am Mannheimer Hof akribisch genau erforscht hatte. Aufgefallen waren ihm dabei verschiedene Besonderheiten in der Kompositionsweise, die immer wieder in den Partituren auftauchten und für die damalige Zeit überaus innovativ und neu waren. Ermöglicht wurden diese neuen kompositorischen Errungenschaften durch das außergewöhnlich hohe Niveau der Spieltechnik der Mannheimer Hofkapelle, die durchgehend bis zum letzten Pult exquisit besetzt war und sowohl in der Qualität der Streichergruppe als auch in der zunehmenden Emanzipation der Bläser in Europa seinesgleichen suchte. Gebraucht wurden sie zunehmend seit 1753, dem Jahr in dem die Musikalischen Akademien im Rittersaal des Mannheimer Schlosses als fester Bestandteil des höfischen Musiklebens etabliert wurden.

Zum einen stellte Riemann fest, dass die Partituren in ihrer strukturellen Anlage bereits wesentliche Elemente der späteren Sonatenhauptsatzform bzw. Vorformen oder Ansätze von Prinzipien und Verfahren der Wiener Klassik aufwiesen. Auf die Mannheimer geht beispielsweise auch die für die Entwicklung der Sinfonie bahnbrechende Hinzufügung des Menuetts als vierten Satz in die bis dahin dreisätzige Sinfonie zurück.
Zum anderen gab es eine Vielzahl von affektvollen Motivfiguren und eindrucksvollen Klangeffekten – allem voran das Crescendo, dessen Bezeichnung die Mannheimer vermutlich sogar erstmals als Spielvorschrift in die Partituren etablierten – denen Riemann Namen wie »Mannheimer Walze«, »Mannheimer Rakete«, »Mannheimer Funke«, »Mannheimer Bebungen«, »Mannheimer Vögelchen«, »Mannheimer Seufzer« oder auch »Mannheimer Schleifer« gab.
Dahinter verbergen sich dramatisch angelegte Forte-Piano-Wechsel, ein gezielter Einsatz von Tremoli, gebrochenen Akkorden, Seufzermotiven, plötzlichen Generalpausen, die häufige Anwendung von Unisonoanfängen und das besagte fein nuancierte berühmte Orchestercrescendo bei gleicher Harmonik und Figuration, womit die Mannheimer ihr Publikum immer wieder überraschten und fesselten.

Eigens für die Liebhaber der Mannheimer Schule und des Kurpfälzischen Kammerorchesters haben wir drei verschiedene Handy-Klingeltöne mit den bekanntesten Mannheimer Manieren eingespielt, damit Sie mit dem legendären Mannheimer Schwung Ihre Anrufe entgegen nehmen können.


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