Cosette Justo Valdés dirigiert die Traumkonzerte am 12./13. Juli 2016

interview mit der dirigentin Cosette Justo Valdés

Die junge kubanische Dirigentin Cosette Justo Valdés bringt bei der Sommeredition der Traumkonzerte die Streicher des KKO mit kubanischer (Gitarren-)musik zusammen ...

Mona Laubner-Knapstein im Gespräch mit Cosette Justo Valdés:

Frau Justo Valdés, das KKO wartet gleich an zwei Tagen auf Ihren Einsatz. Am 12. und 13.7.2016, dirigieren Sie „Klassik trifft Kuba“, die Traumkonzerte mit dem Gitarrensolisten Ernesto Thompson. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wo liegt der Reiz dieser Traumkonzerte?

JV: Ich hatte bereits das Vergnügen, eines der Traumkonzerte des KKO im Mannheimer Schloss zu dirigieren, im letzten Jahr mit Daniel Prandl und Thomas Siffling, was bereits ein tolles Konzert mit hochzufriedenem Publikum war. Gabriele Gefäller hatte dann schon lange die Idee, dieses Projekt mit mir in abgewandelter Form zu wiederholen. Denn ich dirigiere das KKO seit rund drei Jahren immer wieder einmal und meistens spielen wir dann ein kubanisches Stück als Zugabe, wovon das Publikum immer sehr begeistert ist. Wie auch die Musikerinnen und Musiker des Orchesters. Zusammen mit dem Sonnenuntergang und dem gut durchdachten Programm werden wir bei den beiden Traumkonzerten eine besondere Atmosphäre schaffen, das Publikum wird sich tief auf die Musik einlassen können. Auf klassische Stücke und auf kubanische Stücke aus dem klassischen und aus dem populären Repertoire. Wir werden auch einen kubanischen Gitarristen als Gast haben, Ernesto Thompson, den ich seit meiner Kindheit kenne und nun entdecken durfte, dass er seit 14 Jahren in Frankfurt wohnt. Ein faszinierender Musiker, ich freue mich sehr auf sein Zusammenspiel mit dem Orchester und auf seine Solostücke!

Sie dirigierten zahlreiche internationale Kammerorchester, die Weltpremiere „Ultimatum“, eine Operette für Kinder, die Kuba-Premiere des Intermezzos „La Dirindina“ von Scarlatti, bei Enjoy Jazz uvm. Haben Sie immer eine genaue Vorstellung, wie es klingen soll?

 JV: Nun, mir ist es als Musikerin sehr wichtig bereits vor der ersten Probe eine genaue Vorstellung davon zu entwickeln, wie ich das Stück hören möchte – besonders bei einer Premiere. Bei modernen Stücken sind die Komponisten aus diesem Grund oft anwesend, um den Dirigenten ihre Vorstellung genau zu vermitteln. Wobei wir Dirigenten auch immer etwas hinzufügen und entdecken… Aber dann, in den Proben, zeigt uns die Musik, wohin sie will. Ich bleibe immer offen, um auf die Musik und wie das Orchester sie spielt, reagieren zu können. 

Sie haben nach der Kunstberufsschule und des Studiums der Musiktheorie das Studienfach „Dirigieren für Orchester“ in Havanna begonnen. Was gab letztendlich den Ausschlag für diesen Studiengang?

JV: Ich war immer sehr an der Musiktheorie interessiert, studierte dabei Klavier, aber als ich zum ersten Mal ein Sinfonieorchester spielen hörte, wusste ich, dass ich selbst Musik machen möchte. In meiner Stadt, in der ich auf die Musikschule ging, gab es bis vor zehn Jahren kein Sinfonieorchester und Reisen war zu dieser Zeit in Kuba sehr schwierig. Als ich 18 war und von einem Musikfestival für Neue Musik in Camagüey begeistert war, entschied ich also, Dirigieren zu studieren und machte alles möglich dafür.
Ich fuhr mehrfach ohne Geld nach Havanna, um bereits vor dem Studium von Universitätsprofessoren Unterricht zu erhalten, zum Glück kostenlos. Denn nur in Havanna kann man in Kuba Dirigieren studieren und ich bestand somit die Aufnahmeprüfung.

Sie organisierten mit ihren Orchestern in Santiago de Cuba oft einen Kulturaustausch mit internationalen Musikern und Dirigenten. So auch den ersten Austausch mit Professoren der Musikhochschule Mannheim, Karlsruhe und Zürich. Was macht Ihnen an diesen länderübergreifenden Projekten am meisten Freude?

JV: Für mich ist es eine große Ehre, für einen solchen Austausch die Brücken bauen zu dürfen. Bereits nach nur zwei Jahren in Deutschland begeisterten sich einige meiner Professoren, zu meinem Orchester nach Kuba zu fahren und dort u.a. Workshops in Intonation zu geben. Wir weiteten dies in Santiago de Cuba noch aus auf Schülerinnen und Schüler und auf junge Hochschulstudenten und Studentinnen. Gerade die Jüngsten überraschten die Professoren mit ihrem Talent und vor allem ihrem Wissenshunger. Zudem spielte ein sehr talentierter Student der Musikhochschule Mannheim, Nils Hilbert, ein Violinkonzert mit meinem Orchester. In diesem Dezember gibt Johannes Schlaefli, Chefdirigent des KKO, der ja gleichzeitig auch Professor für Dirigieren an der Züricher Hochschule der Künste ist, ein Konzert und eine Masterclass in Santiago de Cuba mit meinem Orchester. Das ist die erste Masterclass für Dirigieren in Kuba, die mit einem Orchester durchgeführt wird, was hoffentlich auch in Kuba zum Standard in der Ausbildung werden wird.

Mit welcher Musik sind Sie denn in Kuba aufgewachsen?

 JV: In Kuba wächst man auf mit Son, Bolero, Rumba, Salsa und weiteren beliebten Genres kubanischer Musik. Viel davon habe ich als Kind auch mitgesungen. Aber ich hörte klassische Musik seit ich acht Jahre alt war, denn dann kam ich auf eine Musikschule. Zu Hause hörte man wenig klassische Musik, ich brachte sie von der Schule mit. In meiner Kindheit waren auch die Hits aus den USA sehr präsent, mein Onkel hörte das ständig. Später entwickelte ich eine große Nähe zum Latin Jazz, viele Freunde spielten Jazz, wobei ich selbst bei der Klassik blieb.

Sie dirigierten bereits in jungen Jahren Weltpremieren und arbeiteten mit vielen bekannten Orchestern zusammen. Ist es manchmal schwierig, sich als junge Dirigentin gegen ein erfahrenes Orchester durchzusetzen?

JV: Aber natürlich. Sich den Respekt der erfahrenen Musiker zu verdienen ist eine harte Aufgabe. Besonders als ich Generalmusikdirektorin in Santiago de Cuba wurde, in einem Orchester, welches seit 50 Jahren bestand!
Aber die Erfahrung hat mich sehr bereichert, als Musikerin im Allgemeinen, als Dirigentin und vor allem auch als Mensch. Ich habe aber immer auch gerade von erfahrenen Musikern sehr große Unterstützung erhalten, die mir mit oft halfen, den besten Weg zu finden.

Sie arbeiten gerne mit Studienanfänger sowie Jugendorchestern und dirigierten eine Operette für Kinder. Liegt Ihnen der Nachwuchs am Herzen?

 JV: Schon als ich noch studierte und mich mein Professor verpflichtete, Dirigieren zu unterrichten, merkte ich schnell, wie gerne ich unterrichte. Und wenn man mit Kindern arbeitet, die noch nie in einem Orchester spielten ist das sehr inspirierend … Ich freue mich also darauf, meine weiteren Erfahrungen als Dirigentin weitergeben zu können.

Und jetzt noch zwei Fragen die unsere Abonnenten bestimmt interessieren. Eine Frau am Pult – noch immer eine Ausnahme und können Frauen besser dirigieren?

JV: Frauen sieht man ja inzwischen in allen möglichen wichtigen Positionen. Aber obwohl Dirigenten oft als Leitfiguren gesehen werden, geht es aus meiner Sicht nur darum, Musik zu machen. Ein Orchester dirigieren zu können, bedeutet für mich, mit einem wunderbaren Instrument Musik zu machen. Und dafür dirigiere ich jede Probe mit voller Leidenschaft. Ich sehe nicht, dass man Musik aus der Perspektive einer Frau oder eines Mannes machen muss. Wenn wir unser Ego nach hinten stellen und nur für die Musik arbeiten, spielt alles andere keine Rolle mehr.

Haben Sie vielen Dank und wir freuen uns Sie am 12. und 13.7. jeweils um 21.00 Uhr
zu sehen und zu hören!


Vita von Cosette Justo Valdés

Cosette Justo Valdés 1983 in San German, Holguin in Kuba geboren, begann 1991 ihre musikalische Ausbildung. Zunächst mit Schwerpunkt Klavier und später in Musiktheorie. 2003 beendete sie ihr Studium am Musikkonservatorium „José María Ochoa” in Holguín und startete noch im selben Jahr ihr Bachelor-Studium „Dirigieren für Orchester“ am Instituto Superior de Arte in Havanna.

Darüber hinaus nahm sie an Meisterkursen von Felipe Aguirre (Kolumbien), Francesco Belli (Italien) sowie Bernard Rubenstein (USA) teil und studierte mit Frieder Bernius (Deutschland).

 Seit 2006 ist Cosette Justo Valdés Mitglied der Union de Escritores y Artistas de Cuba (UNEAC), zudem seit 2009 Chefdirigentin und seit 2011 auch Generalmusikdirektorin des Orquesta Sinfónica de Oriente in Santiago de Cuba. 2013 trat sie als Gastdirigentin des Mannheimer Wir!-Projektes mit der Weltpremiere von drei für das Projekt geschriebenen Kompositionen im Nationaltheater Mannheim auf. Daneben belegte sie Ende 2013 ein Masterstudium für Dirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim.

Die junge Dirigentin stand bereits am Pult verschiedener Kammerorchester wie das Kammerorchester der Nationalen Kunstschule, das Kammerorchester „Esteban Salas” und das Kammerorchester „Galán Ruiz”, das Kurpfälzische Kammerorchester sowie das Kammerorchester Heilbronn. Ferner dirigierte sie das Orquesta Sinfónica de Holguín, das Orquesta Sinfónica de Santa Clara, das Orquesta Sinfónica de Matanzas, das Orquesta Sinfónica de Oriente (Santiago de Cuba), das Southern Illinois University’s Symphonic Orchestra (USA), die Philharmonie Baden-Baden, das Sinfonieorchester der Musikhochschule Mannheim und das Plovdiv Philarmonic Orchestra (Bulgarien).

In Santiago de Cuba organisierte sie 2014 einen ersten Austausch mit Professoren der Musikhochschule mit ihrem Orchester. Anfang 2016 richtete sie mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und vielen Musikern und Studenten aus Deutschland einen interkulturellen Austausch mit den kubanischen Sinfonieorchestern in Camagüey, Santiago de Cuba und Havanna aus.