Mona Laubner-Knapstein im Gespräch mit dem Tänzer Norbert Steinwarz über seine Passion zum TAnz und das Schulprojekt "Mannheimer Schule 2.0"


Sie studierten an der Folkwang Hochschule Essen und schlossen erfolgreich im Hauptfach Bühnentanz und Choreographie 1991 ab. Wie ging dann ihr Tanzkarriere weiter?

NS: Von 1991 bis Mai 2001 war ich Mitglied beim Tanztheater unter Joachim Schlömer mit den Stationen Ulmer Theater, Deutsches Nationaltheater Weimar und Theater Basel. Zwischen den Jahren 1999 und 2004 absolvierte ich mit Auszeichnung das Tanzpädagogikstudium an der Folkwang Hochschule. Von April 2001 bis Juni 2009 arbeitete ich mit der Choreographin Sasha Waltz & Guests in Berlin zusammen. Seit einigen Jahren habe ich nun mein Lebensmittelpunkt in Basel (CH). Hier habe ich tolle Arbeitsbedingungen. Seit 5 Jahren habe ich mit Freunden eine Formation gegründet, die Kinder und Jugendprojekte realisiert. Rhythmus und Tanz ist unser Thema.

Haben Sie denn auch als Choreograph gearbeitet?

NS: Neben meinem Engagement als Tänzer habe ich an etlichen eigenen choreographischen Arbeiten im Sprech- sowie im Musiktheater gearbeitet. Um einige Beispiele zu nennen an „Salome“ von Oskar Wilde am Deutschen Theater Berlin, „Penthesilea“ von H. v. Kleist am Thalia Theater Hamburg und bei den Salzburger Festspielen, „Gefährliche Liebschaften“ von H. Müller/C. Hampton auf der Ruhr-Triennale, „Hochzeit“ von E. Canetti am Düsseldorfer Schauspielhaus sowie „Hary Janos Suite“ und „Pulcinella Suite“ mit dem Akademischen Orchester Zürich in der Tonhalle Zürich. Seit 2009 arbeite ich regelmäßig mit dem Sinfonie Orchester Basel in der Musikvermittlung als Choreograph zusammen.

Haben Sie auch im Ausland Erfahrungen gesammelt?

NS: Ja, viele Tourneen und Gastspiele im Ausland. Z.B. Als Choreograph an der Oper in Ljubljana. Eine langjährige Zusammenarbeit besteht zwischen mir und Mohan C. Thomas. Das legendäre Stück „Kaschemme“ ist Bestandteil vom Repertoire der TANZMOTO DANCE COMPANY seit 2008.

Wieso wollten Sie eigentlich Tänzer werden?

 NS: Schon als Kind war ein großer Bewegungsdrang bei mir unübersehbar. Was als Hobby begann, hat sich dann 1987 nach erfolgreicher ‚Audition‘ an der Folkwang Hochschule glücklicherweise fortgesetzt.

Was war bisher das Schönste an Ihrem Beruf als Tänzer?

NS: Diese ‚Magic Moments‘! Mit einem tollen Tanzensemble auf der Bühne zu stehen…die Choreographie nicht nur ausführen, sondern sie zu fühlen und dann der Moment, wo man spürt, dass das Publikum mit voller Aufmerksamkeit dabei ist. Ein unsichtbares Band knüpft sich von der Bühne zum Publikum und zurück …“

Welche Schwierigkeiten gab es auf dem Weg zu Ihrer Karriere?

NS: Da wird mir David bestimmt zustimmen. Verletzungen. Aber wie so oft sind Verletzungen eine Warnung und Richtungsweisend. Diese Erfahrungen haben Einfluss auch auf Deine Qualität und Entwicklung als Tänzer. 

Was hat ihre Familie dazu gesagt, dass Sie Tänzer werden wollten?

NS: An der Tanz-Audition auf der Folkwang habe ich heimlich teilgenommen. Meine Familie hatte davon nichts gewusst.

Als nach einem Monat der positive Bescheid für einen Studienplatz in Essen Tatsache wurde, habe ich sofort es meiner Mutter erzählt. (seit meinem 12. Lebensjahr bin ich Halbweise). Sie hat gut zugehört und sagte dann: „Wenn Du das machen möchtest, dann mache es!“ Und ab da begann mein Leben neu … alles war neu. Umfeld, Sprache, Ort usw. Einer meiner wichtigsten positiven Entscheidungen. Danke Mama ;-)

Sie arbeiten mit dem KKO Orchester direkt in den Werk- und Realschulen in einem einzigartigen Schulprojekt zusammen mit dem Street Dancer David Kwiek. Was fasziniert Sie an dieser ganz anderen Aufgabe?

 NS: Die Mischung aus Urban Dance und Ballett, kombiniert mit klassischer Musik und dem eigenen Tanzerlebnis der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem KKO bilden die perfekte Melange, dass Klassik auf einmal hip und cool ist. Für Schulen in Stadtteilen mit besonderen Problemlagen ist dies eine frucht- und dankbare Aufgabe. Die meisten Kinder hatten ja zum ersten Mal überhaupt die Möglichkeit ein klassisches Orchester und Tänzer kennenzulernen.

 Mit dem mehrfachen Welt- Europa- und deutschen Meister im Locking und Popping David Kwiek alias Mr. Quick hatten Sie einen ganz anderen Tanzpartner. Wie empfinden Sie diese ungewöhnliche Zusammenarbeit?

 NS: Es ist inspirierend mit David zusammenzuarbeiten, zu tanzen. Ja, wir kommen aus unterschiedlichen Tanzfamilien und ich finde seine Qualitäten, seine Ausbildung als Tänzer gehören fest zur zeitgenössischen Tanzkunst. Z.B. in Zürich gibt es seit einigen Jahren neu eine höhere Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz. Das ist eine höchst motivierende Entwicklung. Der Urbane Tanz erobert immer mehr die etablierte Theaterbühnenszene. Eine großartige Entwicklung. Und David gehört in zu dieser Entwicklung.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

 NS: Mein Berufsleben (was ja ein großer Teil eines Lebens sein kann) ist sehr vielfältig und bereichernd. Ich unterrichte an der Musik Hochschule Basel, werde als Tanzdozent eingeladen, trete immer noch als Tänzer auf, arbeite als Choreograph für Oper und Schauspiel, es ist eine sehr inspirierende Vielfalt. Mein Plan ist gesund zu bleiben, um es weiterhin zu genießen.

Wir danken Ihnen für das Interview.

 NS: ich danke Ihnen.