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So wird Kindern Lust auf Klassik gemacht

Das Kurpfälzische Kammerorchester besuchte die Edinger Pestalozzi-Schule und lud die Schüler zu einer musikalischen Reise ein

Edingen-Neckarhausen. (sti) „Eine Musikstunde der besonderen Art“ versprach Generalmusikdirektor Stefan Fraas den Eleven der Edinger Pestalozzi-Schule – und er hielt Wort. Das von Fraas geleitete Kammerorchester (KKO) lud die Grundschüler in der Turnhalle zu einer musikalischen Reise in die Zeit der Klassik ein.

Warum der mächtige Kontrabass so viel tiefer klingt als die zierliche Geige, wie bei der Oboe der nasale Ton entsteht oder warum das Horn so „aufgewickelt“ aussieht, all das und vieles mehr wurde hier in kindgerechter Form vermittelt. Dazu zeigten Fraas und seine gut 20 Musiker anhand ausgesuchter Klangbeispiele von Mozart und Stamitz, wie meisterhaft sich die einzelnen Instrumentengruppen einsetzen und zum wirkungsvollen Zusammenspiel arrangieren lassen. Sogar eine kleine Tanzdarbietung in höfischer Kleidung des Rokoko gab es.

Den Kontakt zur Pestalozzischule hatte Wolfgang Grosch hergestellt, Violinist in diesem professionellen Kammerorchester und Schulvater in Edingen. Die beiden alternativen Musikstunden, eine für die Erst- und Zweitklässler, die andere für die dritten und vierten Klassen, waren für die Schule gratis.

Das Unterrichts-Projekt wird, wie Geschäftsführungs-Assistentin Gabriele Gefäller im Gespräch mit der RNZ betonte, durch Fördergelder des Landes sowie der Stadt Mannheim finanziert. Edingen war eine der ersten Stationen; nach und nach will man möglichst viele Mannheimer Schulen besuchen und die Schüler auch auf die Geschäftsstelle im Quadrat C4, 9b einladen.

Idee des erlebnisorientierten Anschauungs- und Anhörungs-Unterrichts ist es, die Kinder an klassische Musik überhaupt und speziell an die „Mannheimer Schule“ heranzuführen. Dabei sollen Hemmungen gegenüber dem vermeintlich so ernsten Genre abgebaut werden. Früher habe man bei einem Orchester unwillkürlich an ältere Männer im schwarzen Frack gedacht, schmunzelte der Chef- dirigent, der in hauptamtlicher Funktion Intendant der Vogtland-Philharmonie in Reichenbach ist. Ein Image, das sich für die Kinder beim KKO-Gastspiel angesichts dieses jungen gemischten Ensembles im legeren Look und mit unprätentiösem Auftreten rasch korrigierte. Zuerst stellten die Streicher – die „Kurpfälzischen“ selbst sind ein reines Streichorchester – ihre Instrumente vor. Gestaffelt von Geige, über Bratsche, Cello bis zum Kontrabass, wurden sie, wie ein Schüler auf Frage von Moderator Stefan Fraas wusste, schon vor bald 400 Jahren in Italien entwickelt. Es sei erstaunlich, fügte der Dirigent an, dass schon vor so langer Zeit die perfekte Form gefunden wurde – tatsächlich sind ja die Wundergeigen eines Stradivari, Guarneri oder Amati bis heute unerreicht.

Es folgten mit den Bläsern Gastmusiker, die das Orchester nach Bedarf zu seinen Konzerten hinzu holt. Zu hören waren die sehr verschiedenen, da von ganz unterschiedlichen Mundstücken erzeugten Klangcharaktere von Klarinette und Oboe. Eindruck machte der enorme Ton- umfang des Fagotts, und noch mehr staunten die Schüler und Lehrer, wie auch Schulleiterin Hadeburg Pfeifer, als die zwei Hornisten anstelle ihrer wegen der enormen Rohrlänge handlich verschlungen Instrumente mal zu Plastik- schlauch und Trichter griffen und ein tolles Duett daraus hervorzauberten. Auch die Querflöte durfte nicht fehlen, heute aus Metall, während Kurfürst Carl Theodor im Spätbarock seine Liebe zur Musik noch auf der hölzernen Traversflöte pflegte. Zu sehen auf einem Gemälde, das Fraas den Schülern zeigte. Carl Theodor war es auch, der Johann Stamitz als Leiter seines Hoforchesters verpflichtete; dieser wiederum wurde bekanntlich Begründer der „Mannheimer Schule“.

Stephan Kraus-Vierling, Rhein-Neckar-Zeitung vom 14.07.2010

Ganz entspannt - Kurpfälzisches Kammerorchester spielt im Schloss


Sehr schön klang die beliebte Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg im Rittersaal des Mannheimer Schlosses. Das Kurpfälzische Kammerorchester ist nach etwas unsicheren Zeiten wieder im Aufwind. Das liegt teilweise an den Programmen, zum größten Teil aber an der Verjüngung des Orchesters. Das fünfte Abonnentenkonzert war jedenfalls ein hoffnungsvoller Hör- blick in die Zukunft des Orchesters ... Da gab es lupenreine Unisoni und feine Sanglichkeit. Ebenso auffällig wie die atmenden Töne der Cellisten und des Kontrabassisten waren die wundervoll umtriebigen Geiger ...

Stefan Fraas, der neue Chefdirigent des Orchesters, macht gute Stimmung. Die Chemie zwischen ihm und den Musikern stimmt. Fraas kann seine Klangideen entspannt mitteilen und damit rechnen, dass sie verwirklicht werden. In den „Antiche Danze“ von Ottorino Respighi eliminierte er die Erinnerung an antikes Barockeln und favorisierte schwerkräftigen romantischen Streicherklang. In dem Konzert für Alt-Saxophon und Streicher von Wolfgang Hofmann passte er sich dem Temperament des fantastischen Solisten Jan Schulte-Bunert an und ließ Mittelstimmen mitunter ziemlich fetzig artikulieren. Man dachte dabei an das genüssliche Abreißen eines Kalenderblattes und die Freude auf sonnige Frühlingstage. Dass Schulte-Brunert auch träumen kann, bewies er in Hofmanns sehr schönem langsamen Satz, bei dem er so tat, als ob er gerade mal meditieren wollte. Das wollte er wohl nicht. Er sehnte sich nach Jazz. Das merkte man in jedem Takt. In einem Saxophonkonzert von Alexander Glasunow demonstrierten die Kurpfälzer derweil, wie zärtlich sie sich an die Klänge des virtuosen Saxophonisten anschmiegen können.

Zum Abschluss des Konzerts spielte das Orchester Fraas zuliebe Griegs Suite so anmutig und tief, dass man zwischen Tränen und Lächeln kaum mehr unterscheiden konnte. In Leipzig entsteht gerade eine Grieg-Gesellschaft. Stefan Fraas ist dabei.

 Gerd Kowa, Die Rheinpfalz, Montag, 22. März 2010

 

Klassik: Das Kurpfälzische Kammerorchester im Rittersaal
Die hohe Kunst der Gegensätze


Einfach brillant! Nach der virtuos und fetzig gespielten Zugabe des Saxofonisten Jan Schulte-Bunert applaudierten sogar die Musiker des Kurpfälzischen Kammerorchesters. Zu Recht! Schließlich hatte er vor der Pause im Rittersaal des Mannheimer Schlosses mit Alexander Glasunows Es-Dur-Saxophonkonzert begeisternd die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments ausgelotet – bisweilen so dominant, dass man den „Kurpfälzern“ unter ihrem Dirigenten Stefan Fraas mehr Anteile am musikalischen Geschehen gewünscht hätte. Aber das lässt Glasunows Partitur vermutlich kaum zu.
Ganz im Unterschied zu Wolfgang Hofmanns „Concertino für Alt- Saxophon und Streicher, in dem sich ereignete, was dem Russen fehlte: ein zündend konzertantes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester, in dem die motivischen Bezüge erfreulich pointiert ihre formbildenden Funktionen erfüllten. Hofmann, ehemaliger Leiter des Kurpfälzischen Kammerorchesters und damit natürlich auch ein Mann der Praxis, wusste, wie man solche Dialoge musikalisch inszeniert, mit weiten Spannungsbögen und einer genau kalkulierten Expressivität.

Solche Erlebniswelten bot Ottorino Respighis dritte Suite (Antiche Danze ed Arie per Liuto) jedoch eher selten. Die Sätze waren zu wenig profiliert, um sich wirkungsvoll voneinander abzusetzen. Dazu kam, wie in der etwas holprig ausgeführten Passacaglia, eine nicht immer optimale Abstimmung zwischen den einzelnen Klangbereichen. Wer hier im Zentrum archaisierender Herbheit das feingeistig Subtile vermisst hatte, wurde durch Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ mehr als versöhnt. Denn jetzt entlockte Stefan Fraas seinen Musikern eine Fülle an Nuancierungen, führte er sie zu einer leicht schwebenden Beweglichkeit, in der sich Inniges und Ausdrucksvolles frei von aller Sentimentalität ideal ergänzten. Eine Kunst, die sich gelöst und fantasievoll hinauswagte zu den schweifenden, aber niemals grenzenlosen Gefühlen. „Anitras Tanz“ aus Griegs erster Peer-Gynt-Suite als Zugabe hätte in dieser Umgebung kaum schöner klingen können: wie hingehaucht, transparent, ohne impressionistisch zu zerstäuben und mit zart schwingenden klaren Konturen.

Alfred Huber, Mannheimer Morgen, Mittwoch, 24. März 2010

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