Seckenheim: Das Kurpfälzische Kammerorchester entführt Dritt- und Viertklässler auf eine klangvolle Zeitreise
Schüler entdecken klassische Musik
Auf eine musikalische Zeitreise mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester durften sich gleich am ersten Schultag nach den Herbstferien die Schüler der Seckenheimer Grundschule begeben. Mit seinem Projekt "Auf Entdeckungsreise mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester" besucht das traditionsreiche Orchester regelmäßig Schulen in der Region und möchte so den Schülern eine Annäherung an die klassische Musik ermöglichen und ihnen die Gelegenheit geben, ein Orchester als Ganzes zu erleben sowie die einzelnen Musikinstrumente genauer kennenzulernen.
Mit der klassischen Musik der "Mannheimer Schule" wollen die Mannheimer Orchestermusiker die Grundschüler auf die große Tradition der Mannheimer Musikgeschichte aufmerksam machen. Vor allem zur Zeit Kurfürst Karl Theodors galt Mannheim als das bedeutendste Musikzentrum Europas.
Finanziert werden diese außergewöhnlichen Musikstunden, an denen in den vergangenen beiden Jahren schon über 2500 Schüler teilgenommen haben, durch Fördermittel des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Mannheim.
Während Rektorin Michaela Schott sich freute, die Musikerinnen und Musiker mit ihrem Chefdirigenten Stefan Fraas in der kurzerhand zum Konzertsaal umfunktionierten Schulturnhalle begrüßen zu dürfen, saßen die Dritt- und Viertklässler der Stamm- und Südschule schon gespannt auf ihren Plätzen und warteten neugierig auf das erste Stück des Orchesters. "Bevor wir aber Wolfgang Amadeus Mozarts dritten Satz aus der Serenade 'Eine kleine Nachtmusik' spielen können, müssen die Instrumente erst eingestimmt werden", erklärte Stefan Fraas den jungen Zuhörern. Eifrig meldeten sich die Schüler als es danach galt die Streichinstrumente zu erkennen und ihre Besonderheiten zu erklären. Ob Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass, die Seckenheimer Grundschüler erwiesen sich als Musikinstrumentenkenner und ein Schüler konnte sogar richtig erklären, warum eine Bratsche tiefer klingt als eine Geige.
Etwas ganz Neues war dann doch für viele die Vorführung zweier Höflinge, die in ihren historischen Kleidern direkt vom Hofe Karl Theodors zu ihnen gekommen waren und ein Menuett von Johann Stamitz aus dem 18. Jahrhundert vortanzten. "Oh, da sind ja gar keine Bläser", zeigte sich anfangs ein Schüler enttäuscht. Aber schon betrat eine Musikerin mit ihrer Flöte den "Orchesterboden", es folgten noch die Piccolo-Flöte, die Oboe, die Klarinette und das tiefste aller Holzblasinstrumente, das Fagott. Mit dem Horn, einem Blechblasinstrument - und da staunten die Schüler nicht schlecht, als ihnen Stefan Fraas erläuterte, so ein Horn sei auseinandergerollt ganze sieben Meter lang - war schließlich das Orchester komplett.
Mit einem Auszug aus Mozarts Sinfonie g-Moll beendete das Kurpfälzische Kammerorchester seine musikalische Zeitreise und die Schüler bedankten sich mit viel Applaus bei allen Musikern für diese außergewöhnliche Unterrichtsstunde - und wer weiß, vielleicht hat so mancher Schüler nun Lust bekommen, auch ein Instrument zu erlernen.
Jutta Schabacker, Mannheimer Morgen vom 9. November 2011
Spaß am Risiko
Paul Meyer und das Kurpfälzische Kammerorchester im Rittersaal
Der Abend war unterhaltsam und auf hohem Niveau, aber auch von einer schlechten Nachricht überschattet. Dietmar von Hoyningen-Huene, der Vorsitzende des Trägervereins, teilte dem Publikum mit, dass das Land Rheinland-Pfalz seinen Zuschuss für das Orchester sukzessive reduziert und bis 2015 komplett einstellt. […] Es wäre natürlich schade, wenn das Orchester nach 63 Jahren kreativer Orchesterarbeit schließen müsste. Man sollte bedenken, dass das Orchester in den vergangenen Jahrzehnten prominente Musiker wie den russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch und die Klarinettistin Sabine Meyer begleitete. Auch Paul Meyer dürfte ein Kandidat für die Annalen des Orchesters sein.
Dieser Künstler ist nicht nur ein hervorragender Dirigent und akrobatischer Klarinettist, sondern auch ein Musiker, der das Risiko nicht scheut. […] In dem Orchesterquartett von Carl Stamitz verstärkte er einige Stimmen, achtete auf beseelte Polyphonie, mitreißende Dynamik und musikalischen Charakteren entsprechende Tempi. […] Paul Meyer ist ein Großmeister schöner Klänge und klingender Gebärden.
Der Konzertabend endete mit „String Music for String Orchestra“ des amerikanischen Crossover-Komponisten Morton Gould. […] Ob dieses tolle Stück schon öfter in Deutschland aufgeführt wurde, weiß man nicht. In Mannheim wurde es jedenfalls zum ersten Mal gespielt. Und das mit großem Erfolg.
Gerd Kowa, Die Rheinpfalz vom 3. November 2011
Der Elsässer Paul Meyer dirigiert das Kurpfälzische Kammerorchester im Mannheimer Schloss
Ein Klarinettist, der die Geigen versteht
Dieses Mal steht Stefan Fraas nicht am Dirigentenpult, sondern ein Gast, der Elsässer Paul Meyer. Der international geschätzte Klarinettist besitzt ein glückliches Händchen für das Modellieren des Streicherklangs. Seine Begabung führt er nun an Werke der Mannheimer Schule und des 20. Jahrhunderts vor. Eines haben Sie gemeinsam: Sie reizen die Möglichkeiten eines Ensembles in alle Richtungen hin aus. Das Orchesterquartett von Carl Stamitz erscheint wie ein pulsierender Organismus, der sich zart und schlank verjüngt, um sich dann in Gegenreaktionen mächtig aufzublasen. An der „String Music for String Orchestra“ des Amerikaners Morton Gould weidet sich Meyer, weil sie abenteuerliche Raffinessen und eine teilweise hintergründige Ironie enthält.
Die Suite verteilt freigiebig virtuose oder farbmalerische Aufgaben und bekommt schließlich den herzlichen Beifall des Publikums. Der unberechenbare, eckige, schwebende Tango wird als Zugabe wiederholt. Was fasziniert den Solisten Paul Meyer an dem Klarinettenkonzert des Engländers Gerald Finzi? Im Spiel mit den makellosen, spritzigen Kurpfälzern ist die Übereinstimmung der emotionalen Ausschläge zu bewundern.
Monika Lanzendörfer, Mannheimer Morgen vom 31. Oktober 2011
Auf der Insel der Seligen
Es wird ja immer wieder angezweifelt, dass die „Mannheimer Schule“ eine Wegbereiterin der Wiener Klassik gewesen sei. Einen Beitrag zu dieser Diskussion könnte man aus dem 1. Abonnement-Konzert des Kurpfälzischen Kammerorchesters herauslesen, denn sein Chefdirigent Stefan Fraas fahndet zielsicher nach dem Erbe Ignaz Holzbauers oder Christian Cannabichs in Kompositionen von Johann Christian Bach, Mozart und Beethoven.
Im sehr gut besuchten Musensaal des Mannheimer Rosengartens wächst das Streicherensemble zu Sinfonikerstärke heran und wartet mit einem achtenswerten Bläserpersonal auf. Das Programm lebt von einer herrlichen, staunenswerten Detailfülle. Es wimmelt darin nicht nur von Anspielungen auf die „Mannheimer Schule“, sondern auch auf zukunftsorientierte Denkanstöße. Jedenfalls richtet Stefan Fraas seine penibel durchdacht wirkende Werkdeutung so aus, dass sich die stilistischen Spannungsmomente in der Sinfonia des Bach-Sohnes (Opus 18, Nr. 3) als Begleiterscheinung eines radikalen Zeitenwandels vorstellen; und auch die instrumentalen Überraschungen in Beethovens zweiter Sinfonie bezeugen den Übergang zwischen dem ausklingenden Barock und einer noch namenlosen Ära, die wir heute Hochklassik nennen.
Ein feierliches Dankeschön
Mozarts Klavierkonzert KV 466 wird auf einer Insel der Seligen versetzt, wo Lockerheit und dramatische Schübe ausgewogen nebeneinander existieren, wo der französische Pianist Jonathan Gilad und die erweiterten Kurpfälzer einträchtig ein vielgesichtiges Mozart-Bild schaffen. Gilad agiert quasi als eingeschworenes Orchestermitglied; kollegiale Anpassung und innige Melodiegestaltung sind zwei seiner großen Vorzüge, wann immer er auftritt […]
Monika Lanzendörfer, Mannheimer Morgen vom 27. September 2011
Das Kurpfälzische Kammerorchester und der Pianist Jonathan Gilad eröffnen Konzertsaison im Mannheimer Rosengarten
Das mit zwölf Bläsern, einem Pauker und 20 Streichern aufgefüllte 14-köpfige Kammerorchester begleitete den prominenten französischen Pianisten Jonathan Gilad in Mozart d-Moll Klavierkonzert KV 466. Das war der Höhepunkt des Abends, das Favoritstück des Programms und eine Freude für das Orchester, den Chefdirigenten Stefan Fraas und die zahlreichen Konzertbesucher. […]
In Mannheim wurde man angenehm überrascht. Schon nach 100 Takten war klar, dass Gilad nicht nur ein Tastenakrobat ist, sondern auch ein Poet, ein tiefgründiger Mozart-Interpret und ein musikalischen Tiefenpsychologe. […] Jeder Ton ist bei Gilad eine Perle, selbst in den Läufen der schnellen Sätze. Der französische Porzellanpianist ist weder ein Angeber noch eitler Nobel-Salon-Pianist, sondern ein Künstler ohne jegliche Oberflächlichkeit und ohne zirzensische Akrobatik auf dem Klavierstuhl […]
Das Konzertprogramm hatte übrigens Konzept. Dafür hatte der Dirigent Stefan Fraas gesorgt. Zwischen Mozart, Beethoven und Johann Sebastian Bachs Sohn Johann Christian gibt es Zusammenhänge. Vater Bach lehrte den achtjährigen Mozart wie man Klavierkonzerte strukturiert, und Beethoven komponierte für Mozarts d-Moll-Konzert eine geniale Kadenz. Bachs vorklassische Sinfonia spielte das Orchester auf hohem Niveau, inspiriert und fetzig. […] Besonders schön waren die Töne der Flöten und der ersten Geiger. Und bei Beethovens selten gespielter zweiten Sinfonie D-Dur op. 36 hatte man den Eindruck, ein homogenes und immerzu mit Herz und Sehnsucht spielendes Sinfonieorchester zu hören. […] Der Konzertabend war ein großes Ereignis und eine Einladung für die weiteren Abonnement-Konzerte der Saison.
Gerd Kowa, Die Rheinpfalz vom 28. September 2011
